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Manuels Meinung

Du bist, was du liest
11. Dezember 2018
Gratis = Gut?
11. Dezember 2018
 

"Weshalb soll ich für News und Infos bezahlen, wenn ich sie auch gratis bekomme?"


Hat Manuel Recht?

Zunächst denkt man, Manuel hat Recht. Jeder von uns würde für eine Sache, die er auch gratis bekommen kann, wahrscheinlich nichts zahlen. Aber wir alle sind auch misstrauisch. Ist etwas, das man gratis bekommen kann, genauso gut, wie etwas, das Geld kostet?

Aber der Reihe nach. Etwas, das nichts kostet, ist auch nichts wert, sagen viele. Das leuchtet uns bei vielen Sachen des täglichen Lebens ein. Man würde wahrscheinlich kaum sagen, dass eine alte Jacke, die man auf der Strasse geschenkt bekommt, genauso gut ist, wie eine neue, die man im Laden kauft. Wir wissen: Wenn wir Qualität wollen, müssen wir dafür bezahlen. Aber vielleicht ist das ja bei News anders?

 
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Unterschiedliche Qualität bei News

 

Um es vorweg zu nehmen: Nein, es ist bei News und Medien nicht anders. Auch hier gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Wenn man die Qualität verschiedener Newstitel misst und sich die Ergebnisse anschaut, kann man nämlich grosse Unterschiede feststellen. Manche Newstitel berichten sachlich, zeigen Hintergrundinformationen auf und geben viele Meinungen zum Thema wider – kurz: sie informieren uns gut. Andere tun dies weniger.

Im Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz (s. Link unten) werden über 60 Schweizer Medien analysiert und jedes davon erhält eine gewisse Anzahl an Qualitätspunkten, je nachdem wie gut es uns informiert. So können die Medien untereinander verglichen werden. Je höher die Qualität eines Mediums ist, umso mehr Qualitätspunkte erhält es. Maximal können 10 Punkte erzielt werden.

Hier sind einige Medien abgebildet, die du vielleicht kennst. Wie man sehen kann, erhalten jene Newstitel, die gratis sind, am wenigsten Qualitätspunkte. Umgekehrt schneiden die Medien, die etwas kosten, am besten ab. Kurz: Qualität hat ihren Preis.

 
 
 
 

Am meisten Qualitätspunkte erhalten die Radio- und TV-Sendungen vom SRF. Sie kosten etwas, man bezahlt Gebühren dafür. Das heisst, einmal im Quartal zahlt man eine Rechnung. Am zweitbesten schneiden kostenpflichtige, gedruckte Zeitungen ab. Diese kann man entweder abonnieren, so dass sie jeden Morgen im Briefkasten liegen oder man kauft sie sich einzeln am Kiosk.

Die Qualität von Newssites ist im Schnitt etwas schlechter, als die von Zeitungen. Das kannst du in der Grafik ablesen. Vergleiche dazu zum Beispiel die Qualitätspunkte für die NZZ und nzz.ch oder für den Tages-Anzeiger und tagesanzeiger.ch. Diese Onlineportale sind aber nicht ganz gratis. Hier gibt es eine sogenannte Paywall. Ein paar Artikel kann man kostenlos lesen, danach muss man ein Online-Abo abschliessen.

Ganz generell ist es also so, dass Medien, die ganz gratis sind, am wenigsten Qualitätspunkte erhalten. Das heisst, wir müssen zwar nichts für diese News bezahlen, dafür informieren sie uns in der Regel aber auch nicht gleich gut wie Bezahlmedien. Vollständig kostenlos sind zum Beispiel die Pendlerzeitung 20 Minuten, die Onlineausgabe davon, 20min.ch oder auch Blick am Abend.

 
 
 
 

Qualität ist aufwändig

Das ist auch nicht sehr verwunderlich, denn gute News zu produzieren ist aufwändig. Probiere es selbst einmal. Wenn du zu einem Thema nur eine Twittermeldung mit 140 Zeichen produzieren musst und für das Thema mal schnell googelst und Dir ein oder zwei Links anschaust, bist du schnell fertig. Wenn du aber eine Seite zu dem Thema schreiben musst, viele Artikel und Bücher lesen musst und Leute zu dem Thema befragen musst, bist du lange beschäftigt. Wenn du aber von dieser Tätigkeit leben musst, wie die Journalisten, musst du dafür auch bezahlt werden. Das heisst, häufig ist ein guter Artikel aufwändiger und damit teurer als ein weniger guter. Und dann wird es schwierig, die guten Artikel gratis zur Verfügung zu stellen.

 

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