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Für Online-Infos zahle ich nichts

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11. Dezember 2018
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11. Dezember 2018
 

In der Schweiz zahlen nur noch 11% für (Online-)Medien

„Kostenlose News aus dem Internet sind für Jung und Alt eine Selbstverständlichkeit geworden“

steht im „Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2017“ (Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2017; S. 18). Findet Ihr das auch? Zahlt Ihr für Medien, News oder Informationen? Wahrscheinlich nicht, denn nur 12% der Schweizer Mediennutzer geben an, im letzten Jahr für Onlinenews bezahlt zu haben (Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2018, S. 31).

Wenn man die Menschen fragt, warum sie eigentlich nichts zahlen wollen, wird gesagt, dass viele Medien oder das Medium, das man am liebsten anschaut, sowieso gratis zur Verfügung stehen. Aber es gibt auch andere Gründe, die Ihr auf folgendem Schaubild sehen könnt:

 
 
 
 

Neben den wichtigsten Gründen, nämlich dass die Newsmedien häufig gratis sind, geben die Nutzer auch an, dass ihre bevorzugten News gar nicht online sind, sie also eher Zeitungen, TV oder Radio nutzen oder sie die Onlinenews gar nicht besonders gut finden („Sind es nicht wert, dafür zu bezahlen“). Auch sagen einige, dass sie es sich nicht leisten können, für News oder Infos im Netz zu bezahlen.

Was sind Eure Gründe, nichts für Infos im Netz zu bezahlen? Oder bezahlt Ihr für Onlinenews bzw. andere Informationen? Findet Ihr Euch in der Tabelle wieder?

 
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Gibt es bald keine Informationsmedien mehr?

 

Diese Entwicklung ist ein Problem. Guter Journalismus kostet Geld. Um zu recherchieren und zu schreiben, braucht man Zeit und Menschen, die sich darauf spezialisieren. Irgendetwas im Netz oder auf YouTube zu sagen oder zu behaupten ist kein Journalismus, sondern einfach eine Meinungsäusserung, die ich nicht belegen muss. Ein Journalist muss genau recherchieren und nachforschen und muss seine Behauptungen auch beweisen oder belegen können. Das ist aufwändig. Das kennst Du auch aus der Schule, wenn Du einen Text schreiben musst, für den Du selber „nachforschen“ musst, das heisst, Texte oder Bücher lesen, im Internet recherchieren oder Leute befragen musst. Dafür muss ein Journalist bezahlt werden, weil er den ganzen Tag nichts anderes macht und davon leben muss. Wenn jetzt aber immer weniger Leute für Journalismus bezahlen, wird es auch immer weniger Journalisten und damit auch gut recherchierte News geben. Wir werden dann immer mehr von Spekulationen, Halbwahrheiten und Fake News abhängig sein. Und das will niemand. Oder willst Du das? Denk mal an Dein Umfeld. Willst Du Dich nicht auf das verlassen können, was Dir Deine Eltern oder Freunde sagen? Wenn Du immer das Gefühl hast, das stimmt nicht, weiss man irgendwann überhaupt nicht mehr, was man glauben soll. Und daher sind guter Journalismus und gute Medien wichtig – aber das kostet Geld.

 
 
 
 

Was nun?

Um Geld für gut recherchierte Newsangebote und Journalismus zu bekommen, versuchen manche Medienhäuser und Journalisten sich zumindest zum Teil durch Spenden und Gebühren zu finanzieren. Andere versuchen noch stärker als bisher auf Werbung zu setzen. Das wird aber immer schwieriger, weil im modernen Onlinezeitalter immer mehr nur noch grosse internationale Konzerne wie Facebook oder Google von Onlinewerbung profitieren (Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2018, S. 9). Die eher kleinen Medienanbieter der Schweiz sind in Gefahr, da auf der Strecke zu bleiben.

Wir alle können aber etwas dafür tun, dass es noch guten Journalismus gibt: Wir können uns überlegen, ob wir für gute News etwas geben oder etwas bezahlen. Der Nutzen für uns: Wir können uns mehr auf solche News verlassen und werden vielleicht sogar noch schlauer.

 

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