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Du bist, was du liest

Für Online-Infos zahle ich nichts
11. Dezember 2018
Manuels Meinung
11. Dezember 2018
 

20min.ch ist die meist genutzte Newssite der Schweiz und die Zeitung 20 Minuten ist die am meisten genutzte Tageszeitung. Fast 958.000 Menschen nutzen am Tag 20minuten.ch und über 1,3 Millionen lesen die Zeitung 20 Minuten.

Zusätzlich hat der Facebook-Auftritt von 20 Minuten noch 514.000 Follower (Zahlen Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2018 S. 66 und 119). Und diese Zahlen beziehen sich nur auf die deutschsprachigen Ausgaben. Sicher kennst Du die Zeitung bzw. ihren Online-Auftritt. Aber warum ist 20 Minuten so erfolgreich? Einige werden sagen, weil die Zeitung gratis ist und auch die Nutzung des Online-Auftritts nichts kostet. Stimmt. Aber das reicht als Erklärung nicht. Denn das machen auch andere Medien. Offensichtlich schafft es 20 Minuten auch einen Inhalt zu produzieren, der für viele Menschen attraktiv ist.

 
 
 
 

Attraktives Programm

Wenn man sich nämlich anschaut, was in der Zeitung 20 Minuten hauptsächlich gedruckt wird, bzw. was auf der Homepage 20minuten.ch kommt, ist auffallend, dass vor allem News aus den Bereichen Human Interest und Sport gebracht werden. Diese beiden Bereiche werden häufig unter dem Begriff „Softnews“ zusammengefasst. 71% aller Meldungen auf der Newssite 20minuten.ch sind aus dem Bereich Softnews (61% Human Interest und 10% aus dem Sportbereich). Nur knapp 29% entfallen auf die Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur (Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2018 S. 68). Damit setzt 20 Minuten stärker als viele andere Medien auf Softnews – und hat damit Erfolg.

 
 

Was genau sind Softnews?

Fangen wir damit an, was Softnews nicht sind: Softnews werden von Hardnews unterschieden. Hardnews waren ursprünglich der Kern der Medienberichterstattung und beziehen sich auf die Bereiche Politik, Wirtschaft und Kultur. Diese werden für die öffentliche Kommunikation als besonders wichtig angesehen, weil sie der Meinungsbildung in Bezug auf die gemeinsam zu lösenden Probleme dienen und sie die Kontrolle von Politikern und Mächtigen sicherstellen sollen. Darüber hinaus sollen die Bürger über solche Meldungen ihre Gesellschaft kennenlernen und sich gegenseitig besser verstehen. Softnews beziehen sich dagegen auf Nachrichten, die sich hauptsachlich an der Unterhaltung orientieren. Meist meint man damit News und Meldungen aus den Bereichen Sport und Human Interest.

Was Sport ist, wissen wir alle. Human Interest könnte man als Interesse am Menschlichen übersetzen. Damit bezeichnet man Meldungen, von denen sich die Medienmacher hohes Zuschauerinteresse versprechen. Meistens sind das Themen, die im Bereich unserer alltäglichen Erfahrung liegen. Aber auch Themen, die bei uns starke Emotionen auslösen, wie Tierbilder oder Bilder von Unglücken gehören dazu. Oder auch Meldungen, die lustig oder gar absurd sind. Ein Beispiel, das häufig vorkommt, sind Themen aus der Partnerschaft oder dem Liebesleben von Prominenten. Solche Stories, die man auch peoplestories nennt, machen Dinge aus dem privaten Bereich der Prominenten öffentlich. Das heisst, man interessiert sich für Personen und nicht so sehr für Zusammenhänge oder gesellschaftliche Probleme und man will wissen, ob sich die Personen „richtig“ verhalten haben oder ob sie (moralisch) etwas falsch gemacht haben, über das man sich dann schön aufregen kann und das man dann mit Freunden (gerade auf Social Media) bespricht.

 
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Problem?

 

Ihr werdet vielleicht fragen, ob das ein Problem ist, wenn man viele solcher Softnews anschaut. Eigentlich nicht. Ein Problem wird es nur dann, wenn man gar nichts mehr anderes anschaut. Wenn man den ganzen Tag in den Medien nur Softnews anschaut, darüber mit Freunden chattet und sich noch Softnews-Themen auf YouTube reinzieht (z. B. „Wie lackiere ich mir am besten die Fingernägel?“ oder „Die neusten Tricks in der Halfpipe“) kriege ich von der Welt, in der ich lebe, nur einen kleinen Teil mit – und der ist für vieles, was passiert nicht mal wichtig. Dann bleibe ich ziemlich unwissend und habe wenig Ahnung. Und wer will das schon?

 
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Mehr zu diesem Thema findest du hier:

Jahrbuch Qualität der Medien Schweiz 2018


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